Kurzeinschätzung der aktuellen Lage für die Wirtschaftsförderung der Stadt Leipzig

(03.11.2020) Im Rahmen unserer Tätigkeit als Branchenverband der Kultur- und Kreativwirtschaft in Leipzig wurden wir von der Wirtschaftsförderung der Stadt Leipzig um eine aktuelle Stellungnahme zur Situation der Branche in der zweiten Welle der Covid19-Pandemie gebeten.  

In Abstimmung mit unseren Kollegen aus dem Landesverband und in Abstimmung mit weiteren Verbänden der KKWi in Leipzig haben wir der Wirtschaftsförderung folgende Einschätzung erstellt:

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Wir sehen unsere Prognose der zweiten und in Folge dritten Welle bestätigt. Veranstaltende verlegen Events momentan bereits ins 2022, mit allen damit verknüpften Folgen aus dem Bereich der Rechteverwertung. Für Veranstaltende und alle daran beteiligten Kultur- und Kreativschaffenden sehen wir bis auf weiteres nahezu keine wirtschaftliche tragbare Perspektive.

Die Situation ist eine andere als im Frühjahr, da der Sommer und damit Perspektiven auf Veranstaltungen nicht greifbar sind. Die Kanzlerin sprach in der PK gestern von vier Monaten ohne Großveranstaltungen und Partys. 

Seit Wochen ist das Thema „Schnelltestes“ in der Leipziger Szenevertretung (Kreatives Leipzig e.V., Livekommbinat Leipzig e.V., Leipzig + Kultur), federführend durch die Leipziger Clubszene ein großes Thema und wurde bereits im Krisenstab mit der Kulturbürgermeisterin thematisiert. Es gibt Konzeptansätze, wie mit Schnelltests branchenübergreifend Veranstaltungen sicher wieder möglich sein können (und dann auch wieder Steuergelder einspielen). Die Stadt sollte solchen Ansätzen offen gegenüberstehen und sich beim Land für ein Pilotprojekt in Leipzig einsetzen. Hierzu ist schon ein Treffen mit der sächsischen Gesundheitsministerin Petra Köpping angesetzt.

Es ist davon auszugehen, dass dadurch kontrollierter Kontrollverlust z.B. in Clubs nicht stattfinden kann, Partys zunehmend im illegalen stattfinden und dies wesentlich dazu beiträgt, dass Infektionsgeschehen nicht mehr nachverfolgt werden kann (deshalb lieber kontrolliert und mit Schnelltests).

Seit Sommer ein vorausahnendes Thema, seit wenigen Wochen immer mehr im Fokus: Zunehmend werden auch psychische Belastungen an uns herangetragen. Nicht nur von selbstständigen Unternehmer:innen, sondern auch durch diese in Bezug auf die Mitarbeiter:innen, welche seit Monaten in Kurzarbeit sind.

Einschätzungen zu bestehenden Corona-Hilfen:
Außerordentliche Wirtschaftshilfe

  • Steuerberater /Wirtschaftsprüfer sind Hürde für Soloselbständige und
    Kleinstunternehmen
  • zahlreiche Selbständige und Unternehmen aus der KKW sind direkt
    durch die Veranstaltungsverbote betroffen, gehören aber
    voraussichtlich nicht zum Kreis der Antragsberechtigten, da sie nicht
    selbst Veranstaltende (Kino, Oper, Theater, Messe etc.) sind

Überbrückungshilfe III

  • muss aus unserer Sicht unbedingt Unternehmer:innenlohn enthalten. Unternehmer:innenlohn ist auch aus kommunaler Sicht die präferierte Option, da komplett durch den Bund finanziert; eine Verlängerung der Grundsicherung würde zu Lasten der kommunalen Kassen gehen (der OB sollte sich über den Vorsitz im Deutschen Städtetag entsprechend für den Unternehmer:innenlohn einsetzen)

Notwendigkeiten (lokaler) Unterstützung

  • Unbürokratische Überbrückung mit Unternehmer:innenlohn für Selbstständige (branchenübergreifend, Soloselbstständige, Einzelunternehmer:Innen, GbR, bis MA 50) im Zeitraum der Corona bedingten Arbeitsbeschränkungen —> Weiterentwicklung des „Leipzig hilft Soloselbstständigen“- Programm
  • Unbürokratische Struktur- bzw. Bestandsicherungshilfen (Betriebskosten) von gesunden Unternehmen um den erneuten Liquiditätsengpass ohne erneute Kreditaufnahmen aufzufangen.

Konkrete Unterstützung KKWi in Abhängigkeit der MA-Anzahl für:

  • Corona bedingte Neuausrichtung von Geschäftsmodellen und/oder Neu- bzw..
    Ausgründungen
  • für Unternehmen, die Corona bedingt Arbeitsplätze im Homeoffice
    ausstatten müssen
  • für Unternehmen, vorhandene Arbeitsplätze vor Ort Corona konform
    um- bzw. auszugestalten
  • Für Unternehmer:innen und Unternehmen die für sich selbst und/oder
    ihre Mitarbeiter:innen Coaching & Weiterbildung in Anspruch nehmen
    bzw. anbieten wollen (psychosoziale Folgen der Pandemie)

Die Kommune sollte Fokus auf Sicherung der Infrastruktur legen (Clubs, Spielstätten), da hier vom Land voraussichtlich nichts kommen wird, ohne diese Orte werden auch Selbständige Kulturschaffende sonst keine Auftrittsmöglichkeiten mehr haben (plus alle damit verbundenen Dienstleister).

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Liebe Unternehmer:innen der Kultur- und Kreativwirtschaft, lasst uns gerne über diese Ersteinschätzung hinaus weiter zusammentragen was es braucht und welche Formen der Hilfen und Handreichungen uns gemeinsam durch die nächsten Monate bringen kann.  Habt ihr noch Ergänzungen? Dann lasst es uns in den Kommentaren wissen oder schreibt eine Mail an coronavirus@kreatives-leipzig.de. 

via Kreatives Leipzig e.V. (https://www.kreatives-leipzig.de/)

#DASistLeipzig ist ein solidarisches Gemeinschaftsprojekt, initiiert von Kreatives Leipzig e.V., Livekommbinat Leipzig e.V. und der Initiative Leipzig + Kultur.

Hier gibts Infos, Support und Veranstaltungen aus der Leipziger Kultur- und Kreativszene für Leipzig und die Szene.

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